07.08.2025 Religionsunterricht ist nur in Schulen ein ordentliches Lehrfach, die keine Bekenntnisschulen sind. Die Idee einer bekenntnisfreien Schule als verfassungskonforme Alternative zu einer Schule mit Religionsunterricht ist nicht neu. Doch die Schulen haben von diesem Schlupfloch des Grundgesetzes bisher keinen Gebrauch gemacht. Die GEW möchte, dass sich das ändert. Jedenfalls Teile der GEW.
Auf dem Gewerkschaftstag im Mai 2025 beantragte die „Bundesfachgruppe Gesamtschulen“ die Einführung der bekenntnisfreien Schule – der hpd berichtete. Diese Forderung erscheint gerade jetzt als besonders dringlich, denn eine wachsende Zahl religiöser Gemeinschaften fordert für ihr spezifisches Glaubensbekenntnis schulischen Unterricht. Damit sich spaltet sich die Schülerschaft in immer mehr immer kleinere Gruppen auf. In Hessen z.B. sieht der aktuelle Lehrplan Religionsunterricht für zwölf unterschiedliche Bekenntnisse vor. Einige Religionslehrer sind schon dazu übergegangen, statt der bloßen Glaubensunterweisung allgemeinere Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu behandeln. Das widerspricht eigentlich der ursprünglichen Intention des Religionsunterrichts.
Der Ausweg aus dieser Situation ist nicht der „Religionsunterricht für alle“, wie er in Hamburg praktiziert wird. Dieser lässt große Gruppen Andersdenkender außen vor oder nötigt sie, am Unterricht einer Religion teilzunehmen, der sie nicht angehören oder die sie gänzlich ablehnen. Einen Ausweg bietet nur ein bekenntnisfreier Unterricht, der Religionen allenfalls aus neutraler Außensicht behandelt.
Für derartige Veränderungen am Lehrplan muss das Grundgesetz nicht geändert werden. Nötig ist aber eine Anpassung der Landesgesetze, da Bildung Ländersache ist.
Der Antrag der Bundesfachgruppe wurde auf dem Gewerkschaftstag diskutiert, aber aus Zeitnot nicht verabschiedet. Jedoch hat die Antragskommission ihn zur Annahme empfohlen. Im November wird der Antrag dem Hauptvorstand der GEW vorgelegt und dann hoffentlich stellvertretend für den Gewerkschaftstag beschlossen.
GEW Berlin sieht das anders
Eine andere Haltung nimmt die Berliner GEW ein. Sie hat sich bei der Versammlung ihrer Landesdelegierten am 09.07.2025 darauf geeinigt, die gemeinsame Werteerziehung in der Schule zu stärken. Sie möchte das bekenntnisfreie Fach Ethik für alle Schüler an weiterführenden Schulen erhalten und regt für die Grundschulen ein zusätzliches gemeinsames Fach zur Werteerziehung an. An eine Abschaffung des Religions- und Weltanschauungsunterrichts denkt sie nicht. Er soll in Berlin auch weiterhin uneingeschränkt in der Verantwortung der Bekenntnisgemeinschaften verbleiben, jedoch nicht als Wahlpflichtfach angeboten werden. Die Berliner GEW engagiert sich offenbar weniger für die Säkularität als die bundesweite GEW.