Studie zum Islamunterricht schöngefärbt

26. 01. 2026 Ein islamischer Theologieprofessor und zwei Mitarbeiter des Zentrums für Islamische Theologie befragten eine Minderheit muslimischer Schüler, Eltern und Religionslehrer zum islamischen Religionsunterricht (IRU). Sie kamen zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass der IRU außerordentlich nützlich sei. Diverse Medien entwickelten daraus die Meldung, dass die Mehrheit aller Schüler, Lehrer und Eltern den islamischen Religionsunterricht positiv sehe und eine Ausweitung des IRU fordere.

Minderheit wird Mehrheit – Metamorphose einer Meldung

Metamorphosen gibt es bei Pflanzen, Gesteinen, musikalischen Themata – und auch bei Nachrichten. Das Resultat einer Nachrichten-Metamorphose finden wir beispielsweise in der „Welt“: Umfrage in NRW: Mehrheit der Schüler bewertet islamischen Religionsunterricht als „alltagsrelevant“. Die Mehrheit aller Schüler? Tatsächlich? Woher nehmen die das? Vom epd, dem evangelischen Pressedienst. Der meldet: „Ein überwiegend positives Urteil fällen Schüler, Lehrer und Eltern über den islamischen Religionsunterricht in NRW. Schüler lernten, Glaubensangelegenheiten eigenständig zu beurteilen, lautet ein Fazit einer Untersuchung im Auftrag des Ministeriums.“ Auch das suggeriert, dass die meisten Schüler, Lehrer und Eltern dieser Meinung seien. Tatsächlich ist es nur die Mehrheit der befragten unter ihnen. Der epd seinerseits zieht seine Weisheit aus einer Studie zum islamischen Religionsunterricht, die der Bildungsausschuss der Landtags von NRW beauftragt hatte. Der WDR äußert sich ebenfalls dazu: „Bericht fordert flächendeckenden islamischen Religionsunterricht in NRW“. Wie kommt der WDR zu einer solchen Aussage? Haben die Journalisten den 161 Seiten langen Bericht gelesen oder haben sie sich mit der Zusammenfassung von ChatGPT begnügt?

Befragte wurden gezielt ausgewählt

Der etwas umfängliche Titel des Berichts lautet: Abschlussbericht zur wissenschaftlichen Evaluierung des islamischen Religionsunterrichtes in Nordrhein-Westfalen gemäß § 133 Abs. (3) des SchuIG NRW der Universität Münster für die Sitzung des Ausschusses für Schule und Bildung am 21. Januar 2026“. Der Leiter der Studie, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, erläutert dem Landtag NRW im Dezember 2025 in einem Zwischenbericht sein Vorgehen: „Dafür wurden Fragebögen an Schüler, Lehrkräfte, Schulleitungen, Eltern, Fachleitungen sowie Mitglieder der Kommission für den Islamischen Religionsunterricht versandt, also die zentralen Akteure des islamischen Religionsunterrichts“. Außerdem wurden einzelne Schüler interviewt.

Von den rund 400.000 Schülern aus mutmaßlich muslimischen Elternhäusern in NRW besuchen knapp 32.000 den islamischen Religionsunterricht. „Für die Stichprobe wurden gezielt Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse ausgewählt“, erläutert Khorchide weiter. In Zahlen: 395 Schülerinnen und Schüler erhielten Fragebögen, und 323 von ihnen füllten ihn vollständig aus. Eine Stichprobe von 380 Schülern ist repräsentativ, wenn es um die 32.000 Teilnehmer am IRU geht, aber nicht bei einer Gesamtschülerzahl von fast 2 Millionen. Halten wir fest: Die befragten Schüler sind ausnahmslos Teilnehmer des islamischen Religionsunterrichts. Befragt wurden auch nicht alle Lehrer, sondern allein die 271 Religionslehrkräfte von NRW, von denen lediglich 60 geantwortet haben.

Eine positive Sicht auf den IRU ist hier schon durch die Auswahl der Befragten gegeben. Umso weniger kann man daraus schließen, dass die „Mehrheit der Schüler“ diese Meinung vertritt. Augen auf beim Lesen von Statistiken!

Über die eigenständige Beurteilung von Glaubensangelegenheiten werden wir an anderer Stelle schreiben.

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